NW Interview mit Nadine Bollmeier: „Ich freue mich, wieder daheim zu sein“

Interview: Nadine Bollmeier ist die neue Nummer zwei und auch Spielertrainerin des Tischtennis-Bundesligisten Bad Driburg. Sie kehrt nach 15 Jahren wieder zu dem Verein zurück, bei dem sie groß geworden ist.

Frau Bollmeier. Welcome back. Wie fühlen Sie sich an den Ort zurückzukehren, bei dem alles begann?

NADINE BOLLMEIER: Es ist schon etwas Besonderes, denn ich habe den Verein viel zu verdanken und ich freue mich wieder daheim zu sein. Back to the roots.

Wie kam denn der Wechsel zustande und was schätzen Sie am TuS Bad Driburg?

BOLLMEIER: Nach dem Rückzug des Tusem Essen kam mir der Anruf von Franz Josef Lingens sehr gelegen. Ich musste nicht lange überlegen, da der TuS Bad Driburg ein toller Verein mit einer sehr familiären Stimmung ist. Außerdem ist die Mannschaft noch sehr jung, mit motivierten Spielerinnen.
 

Wenn Sie zurückblicken, was waren ihre schönsten Momente in Bad Driburg?

BOLLMEIER: Auf der einen Seite war es in der Jugend der Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft mit den Schülerinnen. Danach aber auch der überraschende Vizemeistertitel 2000, das war eine tolle Zeit.

Wie sind Sie zum Tischtennis gekommen?

BOLLMEIER: Durch meine Schwester Sylvie bin ich mit sechs Jahren zum Tischtennis gekommen. Nachdem ich meine erste Kreisrangliste Schülerinnen B mit sieben Jahren direkt gewonnen habe, gingen die Erfolge auf Bezirksebene ähnlich weiter. Ich wurde schnell zu einem Sichtungslehrgang des WTTV eingeladen, zudem ich zuerst gar nicht hingehen wollte. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern sportbegeistert sind und mich gefördert haben. Mein Vater hat mich beispielsweise eine lange Zeit mehrmals wöchentlich über 100 Kilometer zum Stützpunkttraining gefahren und wir haben sehr viel Aufwand betrieben.

Was waren Ihre größten Erfolge?

BOLLMEIER: Die drei Deutschen Meisterschaftstitel im Damen-Doppel sind immer noch sehr präsent. 2014 habe ich das Bundesranglistenfinale der Damen gewonnen. Ich erinnere mich auch gerne an den ersten Platz bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Einzel 1998.

 

Wie sehen Sie ihre Rolle in der Mannschaft?

BOLLMEIER: Natürlich sehe ich mich als Führungsspielerin und bin als Spielertrainerin verpflichtet worden, um den jungen Spielerinnen zu helfen ihre beste Leistung abrufen zu können. Außerdem ist mir eine gute Stimmung und der Teamgeist sehr wichtig. Ich denke nur in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Freude am Wettkampf kann man auch die beste Leistung bringen.

Welche Ziele haben Sie mit der Mannschaft?

BOLLMEIER: Es kommt auch darauf an, wie die anderen Teams spielen! Die Play Offs zu erreichen und dann in den Play Offs eine gute Leistung abrufen ist unser Ziel. Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, aber mit einem jungen Team ist vieles möglich. Wir wollen mutig sein und die Zuschauer begeistern.

 

Wie sehen Sie die Chancen der Mannschaft in der Champions League zu spielen?

BOLLMEIER: Die Vorfreude ist natürlich riesig auf die Champions League und sich mit den besten Spielerinnen Europas zu messen, hat einen besonders großen Reiz. Die Stimmung wird toll sein, und es werden interessante Spiele und Festtage für das Team, den Verein und auch für die Stadt Bad Driburg. Es ist sicherlich eine große Herausforderung.
 

Was würden Sie jungen Talenten mitgeben, wenn sie erfolgreich Tischtennis spielen möchten?

BOLLMEIER: Versuchen, immer konzentriert zu trainieren und aus seinen Fehlern zu lernen. Meine Devise ist: Manchmal ist weniger mehr. Man muss wissen, wann man eine Pause braucht. Andererseits braucht man viel Ehrgeiz, Willenskraft und Durchhaltevermögen, aber am Ende wird man belohnt. Die Lust und der Spaß nach dem kleinen weißen Ball ist wichtig und natürlich die Unterstützung aus dem Umfeld, von der Familie, von den Freunden und vom Trainer.

Wie sieht Ihr abschließendes Fazit aus?

BOLLMEIER: Ich freue mich wieder in meiner alten Wirkungsstätte zu sein und mit jungen Spielern zu arbeiten. Ich hoffe viele alte Bekannte und neue Gesichter werden uns bei unserem ersten Heimspiel am 3. September gegen Bingen unterstützen und anfeuern! Ein guter Start in die neue Saison ist wichtig.

 

Das Interview führte

Christian Seel

 

„Nadine ist ein großer Gewinn für das Team“

Bad Driburgs Manager Franz-Josef Lingens ist glücklich über diesen Transfercoup: „Nadine Bollmeier ist natürlich ein großer Gewinn für das Team. Wir sind froh, dass wir diese großartige, einheimische Sportlerin als Spielertrainerin gewinnen konnten.“ Bollmeier ist Sportwissenschaftlerin und arbeitet beim Gesundheitsamt des Rhein Kreises Neuss in der Gesundheitsförderung. Sie ist am 21. Juni 1981 in Lübbecke geboren, wohnt und trainiert in Düsseldorf, geht gerne Schwimmen und ins Kino, wenn es die Zeit zulässt und isst sehr gerne italienisches Essen und hört in ihrer Freizeit die Red Hot Chilli Peppers, Coldplay und Pearl Jam.

Schlaghand: Rechtshänderin

Stärken: Vorhand Topspin

Beläge: Andro Rasant 2.3

Holz: Andro Treiber Off

Stationen: VfL Frotheim, Eintracht Minden, TuS Bad Driburg, Bayer 05 Uerdingen, Fürst-Manderveld/ Heerlen, MTV Tostedt, TTSV Saarlouis- Fraulautern, TUSEM Essen, TuS Bad Driburg.

Größten Erfolge: Bundesranglistensiegerin2014, Deutsche Meisterin im Damen-Doppel: 2003, 2005, 2008 (jeweils mit Alexandra Scheld), Zweite der Studenten-Weltmeisterschaften im Damen-Einzel: 2006, Dritte der Universiade im Damen-Doppel: 2007 (mit Irene Ivancan), Dritte derDeutschen Meisterschaften im Einzel: 2003, 2004, 2009, 2012, Deutsche Meisterin im Juniorinnen-Einzel: 1999, Deutsche Jugendmeisterin im Mädchen- Einzel: 1998, Deutsche Mannschaftsmeisterin Schülerinnen mit den TuS Bad Driburg

Saisonbilanz 2016/17: TUSEM Essen: 8:9.

Ein Bericht aus der Neue Westfälischen am 05.08.2017

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