"Ich habe Respekt vor der Aufgabe" - Bericht Neue Westfälische

Interview: Kevin Kösling (24) ist neuer Teambetreuer des Tischtennis-Bundesligisten TuS Bad Driburg.

Mit 19 Jahren fing er als Trainer an und sitzt nun erstmals im Profibereich als Coach auf der Bank.

Herr Kösling, wie fühlen Sie sich als Betreuer einer Bundesligamannschaft?
 

KEVIN KÖSLING: Sehr gut, ich spüre eine große Vorfreude etwas Neues auszuprobieren. Ich bin von der Mannschaft überzeugt und möchte eine gute Atmosphäre schaffen, damit sie Topleistungen bringen kann.

 

 

Ist es nicht sehr gewagt, Sie als Jugendtrainer in das kalte Wasser des Profisports zu werfen?

KÖSLING: Ich habe natürlich großen Respekt vor der Aufgabe und als Franz-Josef Lingens auf mich zu kam und mich fragte, die Mannschaft zu betreuen, musste ich schon darüber nachdenken. Ich habe dann aber aus Gesprächen mit allen Beteiligten gemerkt, dass die Akzeptanz da ist und es gab ermutigende Gespräche im Umfeld. So habe ich mir gesagt: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt und diese einmalige Chance genutzt.

 

Wie sind Sie überhaupt zum Tischtennis und später auch zum Trainerengagement gekommen?

KÖSLING: Ich habe mit 13 Jahren mit Freunden in der Garage angefangen. Wir sind dann gemeinsam zum TuS Bad Driburg in den Verein gegangen. Ich habe dann schnell Feuer gefangen und schon mit 15 Jahren im Herrenbereich gespielt. Aktuell spiele ich in der Bezirksklasse. Als Trainer habe ich mit 19 Jahren begonnen, nachdem unser Jugendwart aufgehört hat. Ich bin nun als Jugendwart des TuS Bad Driburg für den Nachwuchsbereich verantwortlich. Es stellte sich schnell heraus, dass ich Spaß daran habe jungen Menschen etwas weiterzugeben und auch hier feierten wir schnell Erfolge. Außerdem schreibe ich noch viele Berichte für unsere Homepage und bin als Pressewart aktiv. Tischtennis ist für mich eine große Leidenschaft geworden.
 

Was waren denn Ihre größten Erfolge als Trainer?

KÖSLING: Wir wurden im Jahr 2013 Westdeutscher Mannschaftsmeister mit den Mädchen und haben bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften den vierten Platz belegt. Dann sind wir gerade vom WTTV Top 32 aus Wadersloh zurückgekommen und Alexandra Eirich hat einen hervorragenden siebten Platz bei den A Schülerinnen belegt. Außerdem konnte ich über einige Jahre Kristin Königauf vielen Ranglisten, Meisterschaften und Saisonspielen betreuen, die in der kommenden Saison in der 3. Bundesliga spielt. Wir sind ein tolles Trainerteam und mit Ingo Notz und Olaf Uhe stehen mir zwei engagierte Assistenztrainer im Nachwuchsbereich zur Seite, die hervorragende Arbeit leisten. Unser größter Erfolg war natürlich als vor vier Wochen als der zehnjährige Fabio Zelici, den Deutschen Minimeisterschaftstitel gewann. Das zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind.

 

Wie ist Ihre Trainingsphilosophie? Welche Erwartungen stellen Sie an die Kinder?
 

KÖSLING: In erster Linie muss es natürlich Spaß machen. Wenn man etwas erreichen will, gehört jedoch Fleiß, Disziplin, Konzentration und auch die Leistungsbereitschaft dazu. Der Wille sich stetig zu verbessern, sollte bei jedem Spieler vorhanden sein. Dann lege ich viel Wert auf eine transparente Kommunikation und setze meine Schwerpunkte im Jugendtraining auf die Technik- und die Taktikschulung.

 

Welche Akzente wollen Sie bei der Bundesligamannschaft setzen?

KÖSLING: Es kommt vieles auf die mentale Verfassung einer Spielerin an. Auf diesem Niveau gibt es kaum technische Schwächen mehr. Also rückt das taktische Element und die mentale Stärke mehr in den Vordergrund. Mir ist es auch wichtig, dass die Mannschaft Zeit miteinander verbringt, damit eine gute Gemeinschaft entstehen kann. Auch die Doppel müssen eingespielt sein. Dort sehe ich eine große Chance, gerade für den Auftakt eines Spiels eine gute Grundlage für den Erfolg zu legen!

 

Welche Ziele haben Sie sich für die Bundesliga und die Champions League gesetzt?
 

KÖSLING: Das Ziel in der Bundesliga ist Platz drei. Wir haben eine gute Mischung aus Nachwuchstalenten und routinierten Leistungsträgerinnen. Außerdem verfügen wir bei Ausfällen mit San Yu, Linda Van de Leur- Cremers und Elena Waggermayer über starke Ersatzspielerinnen. In der Champions League wollen wir für die eine oder andere Überraschung sorgen. Wir wollen uns mit den Besten messen. Wenn wir dann auf dem dritten Platz landen und am ETTU-Cup teilnehmen, sind wir auch zufrieden.
 

Wie sehen Sie die einzelnen Spielerinnen?

KÖSLING: Ich denke Sarah de Nutte hat sich sehr gut entwickelt, kann sich aber in einigen Bereichen noch steigern. Nadine Bollmeier sehe ich mit ihrer großen Erfahrung als starke Führungsspielerin in dieser Mannschaft. Sie hat eine natürliche Autorität und die jungen Spielerinnen können von ihr viel lernen. Bei Nina Mittelham ist das Wichtigste, dass sie verletzungsfrei bleibt, dann ist sie eine Bank im hinteren Paarkreuz. Sophia Klee muss von Spiel zu Spiel lernen – es ist ihr nächster großer Entwicklungsschritt. Es würde uns freuen, wenn sie für die ein oder andere Überraschung sorgen kann. Wir werden ihr aber Zeit geben und sind fest davon überzeugt, dass sie es schaffen kann, da sie sehr anpassungsfähig ist und die Voraussetzungen für die Bundesliga hat.

 

Das Interview führte Christian Seel (Neue Westfälische)

Kurzübersicht:

Teambetreuer Kevin Kösling ist D-Lizenz-Trainer und wohnt in Bad Driburg. Er ist Bürokaufmann und liebt es ins Steakhouse essen zu gehen. Er spielt seit seinem 13. Lebensjahr Tischtennis. Trainer ist er seit 2012 und hat einige Erfolge als Trainer mit der Bad Driburger Jugend gefeiert. Er mag Fußball und ist großer BVB-Fan.
 

Erfolge als Spieler:

  • Bezirksklassenmeister,

  • Sportlicher Aufstieg in die Verbandsliga 2014

Erfolge als Betreuer:

  • Westdeutscher Mannschaftsmeister Mädchen 2013

  • 4. Platz Deutsche Mannschaftsmeisterschaften Mädchen 2013

  • Deutscher Mini-Meister Fabio Zelici,

  • WTTV A-Schülerinnen Rangliste: 7. Platz mit Alexandra Eirich,

  • Mehrere Bezirks- und WTTV-Ranglistensiege mit Kristin König (3. Bundesliga, Kasseler Auedamm)

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